Reifenwechsel für ein frisches Profil

Wenn Ihr Profil abgefahren ist, müssen Sie für einen Reifenwechsel in die Werkstatt. Dabei wird das alte Profil ab- und das neue auf die Felge aufgezogen. Wir erklären wie’s funktioniert, wie viel das Reifen wechseln kostet und worauf Sie danach achten müssen. Holen Sie sich alle Infos und direkt Ihre passende Bereifung.

Ist Reifenwechsel und Radwechsel das Gleiche?

Oft lesen Sie beide Begriffe, wenn eigentlich der Radwechsel gemeint ist. Dieser beschreibt, die Demontage und Montage von Kompletträdern (also Reifen mit Felgen) auf das Fahrzeug. Hier geht es um den Reifenwechsel. Das ist das Auf- und Abziehen von einem Profil auf die Felge. Den Reifenwechsel brauchen Sie nur, wenn die Lauffläche abgefahren ist, oder wenn eines Ihrer Profile beschädigt ist. Lassen Sie den Reifenwechsel in der Werkstatt vornehmen – es wird spezielles Werkzeug und Fachwissen benötigt.

So funktioniert der Reifenwechsel

Rufen Sie vorab in Ihrer Werkstatt an – ohne einen Termin müssen Sie meist mit langen Wartezeiten rechnen. Viele Werkstätten bieten auch gar keinen Service ohne Terminvereinbarung an. Sie können Ihr Fahrzeug dort abstellen und den Reifenwechsel mit einer Demontage der Räder vom Fahrzeug verbinden, oder Sie bringen zum Beispiel im Sommer Ihre Winterräder im Kofferraum zum Wechseln.

Reifendemontage

  1. Um den Reifen von der Felge zu ziehen lässt der Kfz-Experte erst einmal die Luft aus dem Mantel. Dafür kann einfach der Ventileinsatz ausgeschraubt werden.
  2. Jetzt werden die Reifenflanken mit der sogenannten „Abdrückschaufel“ vom Felgenhorn Richtung Felgenmitte geschoben. Der Reifen ist jetzt ein loser Ring auf der Felge.
  3. Im nächsten Schritt wird das Rad auf der Montiermaschine eingespannt und der Montierarm unter der Reifenwulst platziert Die Flanke wird etwas eingefettet. Jetzt wird der Reifen gedreht und gleitet so über den Arm von der Felge. Dieser Prozess muss noch einmal mit der anderen Seite des Reifens wiederholt werden.
  4. Noch vorhandene Wuchtgewichte werden abgenommen und dann wird der Reifen (auf Ihren Wunsch) fachgerecht dem Recyclingkreislauf zugeführt.

Reifenmontage

  1. Um einen neuen Reifen auf die Felge zu montieren überprüft der Monteur erst einmal, ob die Reifengröße korrekt ist und der Zustand des Reifens tadellos.
  2. Im nächsten Schritt wird der Reifen an den Wülsten mit Montagepaste eingestrichen. So gleiten die Kanten dann besser über das Felgenhorn.
  3. Die Felge wird nun auf die Montiermaschine gespannt und die Reifenwülste werden mit Hilfe des Montagearms über das Felgenhorn gezogen. Der Reifen sitzt nun locker auf der Felge.
  4. Nun wird der Reifen mit Luft befüllt. Damit sich der Reifen zurecht zieht, lässt der Monteur normalerweise etwas mehr Luft ein, die dann direkt wieder abgelassen wird, wenn der Reifen richtig sitzt. Das Ventil wird verschlossen.
  5. Im letzten Schritt wird das Rad ausgewuchtet. Da die Felge durch die Ventilaussparung nicht 100 Prozentig rund läuft und auch der Reifen nie perfekt rund ist, werden kleine Gewichte in die Innenseite der Felge geklebt, die diese Unwucht ausgleichen. Jetzt läuft Ihr Rad komplett rund.
Reifenwechsel auf der Montiermaschine

Reicht ein Satz Felgen für saisonale Bereifung?

Theoretisch wäre es ja möglich, einen Satz Felgen zu haben und dann in jeder Saison die Reifen wechseln zu lassen – also Sommerreifen von der Felge runter, Winterreifen drauf und in Frühjahr umgekehrt. Davon raten wir aber ganz entschieden ab! Der Hauptgrund ist, dass das Gummi beim Abziehen stark belastet und manchmal verletzt wird. Das ist ein Sicherheitsrisiko für die folgenden Fahrten und bei einer verletzten Reifenflanke müssen Sie sich neue Pneus kaufen, obwohl die aktuellen Profile eigentlich noch gar nicht abgefahren sind. Unter dem Strich sparen Sie also nicht, sondern legen noch zusätzlich drauf. Vor allem auch, weil Felgen eine Einmalanschaffung sind und dann meist mehrere Generationen Reifen überleben.

Besondere Herausforderungen beim Reifenwechsel

Es gibt Reifen, welche die Kfz-Experten zusätzlich fordern. Wenn Sie Reifen haben, die 18 Zoll oder größer sind, fragen Sie vorab bei der Werkstatt an, ob diese die Großreifen montieren kann. Ab dieser Zollgröße wird nämlich eine andere Maschine benötigt.
Reifen, bei denen die
Flanke versteift ist, sind auch besonders. Zum Beispiel bei Runflat-Reifen. Hier benötigt der Monteur viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl.
Manchmal kann es auch sein, dass sich ein normaler Reifen nicht richtig mit Luft füllen lässt, weil sie entweicht, bevor sich der Reifen zurecht zieht. Dann verwendet der Kfz-Experte einen
Schockfüller oder auch Luftbooster genannt. Dieses Gerät baut einen hohen Luftdruck auf und entlässt diesen schlagartig in den Reifen. So verschließt der Reifen die Lücke am Felgenhorn nahtlos und zwar so schnell das vorher keine Luft entweichen kann.

Reifen wechseln mit direktem RDKS

Ein direktes Reifendruckkontrollsystem ist im Ventil verbaut. Das bedeutet, es wird auch bei der Reifenmontage auf der Felge relevant. Sagen Sie Ihrer Werkstatt vorher Bescheid – dann können Sie zusammen besprechen, ob es mehr Sinn macht, ein neues Service-Kit zu kaufen oder ob die Sensoren aus- und wieder eingebaut werden können. Das indirekte RDKS ist vom Reifenwechsel erst einmal nicht betroffen.

Was kostet ein Reifenwechsel?

Der Preis liegt normalerweise zwischen 10 und 40 € pro Reifen – das Abziehen der Altreifen und das Auswuchten ist oft inbegriffen. Für die fach- und sachgerechte Altreifenentsorgung kommen nochmal 2 bis 3 € pro Reifen dazu. Die große Spanne bei den Reifenwechsel-Kosten kommt durch die Varianz der unterschiedlichen Reifen. Über 18 Zoll wird meist etwas teuerer, genauso wie Spezialreifen (z.B. Semi Slick oder Runflat). Sie können die konkreten Kosten aber vorab problemlos bei Ihrer Werkstatt erfragen. Wenn Sie noch zusätzliche Services, wie eine Spureinstellung oder auch die Einlagerung von Rädern, in Anspruch nehmen, dann kann es immer auch sein, dass der Gesamtpreis etwas günstiger wird.

Wann muss man Reifen wechseln?

Es gibt kein gesetzliches Reifenhöchstalter für PKW-Reifen. Relevant ist vor allem die Profiltiefe. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 mm. Ab dieser Grenze sind aber schon viele der feinen Lamellen nicht mehr durchgängig und die Bodenhaftung ist stark gemindert. Deswegen empfehlen wir Ihnen den Wechsel sicherheitsbedingt schon ab 3 mm bei Sommerreifen und 4 mm bei Winterreifen. Als Richtwert für das Höchstalter wird von manchen Institutionen ein Alter von 6 bis 10 Jahren angegeben. In der Realität werden Reifen aber oft gar nicht so alt, weil das Profil schon vorher abgefahren ist. Wir empfehlen deswegen immer, eher den Zustand des Reifens zu beobachten. Wenn Sie poröse Stellen oder Verletzungen am Gummi finden, dann ist es Zeit für einen Reifenwechsel – sonst können Sie problemlos weiter fahren.
Die einzige
Ausnahme bezüglich des Reifenalters sind Anhänger mit 100 km/h-Zulassung. Die Pneus dürfen hier nicht älter als 6 Jahre sein.

Wenn Sie eine
Panne haben und Ihr Reifen beschädigt ist, müssen Sie natürlich wechseln. Selbst wenn nur ein Profil betroffen ist, sollten Sie immer beide Pneus auf einer Achse tauschen. Durch die unterschiedliche Profiltiefe entstehen sonst negative Fahreigenschaften und das neue Profil nutzt sich schneller ab.

Nach dem Reifenwechsel

Eigentlich müssen Sie nicht mehr viel beachten. Sie sollten nach ca. 50 km Fahrt mit neuen Reifen noch einmal die Radmuttern mit einem Drehmomentschlüssel nachziehen.
Wenn Sie sich nach dem Reifen- und Räderwechsel in Ihr Fahrzeug setzen, kann es sein, dass Sie sich erst einmal über die Geräusche wundern. Ein
leicht verändertes Fahrgeräusch ist meist ganz normal. Das Profil ist wieder tiefer als ihr voriges und vielleicht auch anders aufgebaut. Laufrichtungsgebundene V-Profile sind meist etwas lauter als asymmetrische Reifen.
Etwas anders verhält es sich, wenn Sie ein
Klappern, Klopfen, ungewöhnliche Lenkradvibrationen oder Schleifgeräusche hören können. Mögliche Ursachen können ein gelöstes Wuchtgewicht, lockere Schrauben oder Rost an der Radnabe sein. In diesem Fall sollten Sie auf jeden Fall noch einmal Ihre Werkstatt aufsuchen.

So lagern Sie Ihre Bereifung richtig

Wenn Sie Ihre Profile frühzeitig gekauft haben und sie vor dem Reifenwechsel noch ein bisschen lagern müssen, dann machen Sie das am besten in einem Raum ohne direkte Sonneneinstrahlung und mit möglichst gleichbleibender Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Lagern Sie die Reifen ohne Felgen in einem Regal stehend mit etwas Abstand zum Boden. Rotieren Sie die Pneus alle paar Wochen um eine Viertel Umdrehung. So vermeiden Sie Druckstellen. Falls Ihre neuen Reifen schon auf die Felgen aufgezogen wurden bietet sich eine waagerechte Lagerung zum Beispiel auf einem Reifenbaum an, oder einzeln hängend an der Wand. Oft bieten Werkstätten aber auch einen Lagerservice an – dann können Sie Ihre Räder einfach bequem abgeben.

Quellen

ADAC (2021): Reifen oder Räder richtig wechseln: Infos, Anleitung, Tipps. URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/reifen-wechseln/ – zuletzt geprüft 11.08.2021.

AutoBild (2018): Runter mit den alten Gummis. URL: https://www.autobild.de/artikel/reifen-aufziehen-14170697.html – zuletzt geprüft 11.08.2021.

Barum (o.J.): Reifen montieren: Was ist zu beachten? URL: https://www.barum-reifen.de/autoreifen/expertenrat/do-it-yourself/aufziehen-von-reifen – zuletzt geprüft 12.08.2021.