Reifenlabel: alle Angaben direkt verstehen

In der Reifenbranche wimmelt es von Bezeichnungen und Kennungen, die ohne einen Ratgeber für den normalen Autofahrer gar nicht zu entschlüsseln sind. Das Reifenlabel soll auf einfache Weise eine Vergleichbarkeit für Sie als Verbraucher schaffen. Aber was bedeutet eigentlich Nasshaftung, welche Aussage trifft das externe Abrollgeräusch über die Lautstärke im Fahrzeug und müssen alle Reifen ein EU-Label tragen? Hier haben wir alles zusammengefasst, was Sie zum Reifenlabel wissen müssen.

Das Reifenlabel richtig lesen: das bedeuten die Angaben

Das Reifenlabel soll es Ihnen als Käufer leichter machen, verschiede Reifen auf Basis von 3 Kriterien zu vergleichen. Hier erklären wir Ihnen, was es mit Rollwiderstand, Nasshaftung und Abrollgeräusch auf sich hat und wie Sie die Werte interpretieren können.

Reifenlabel auf einem Reifen

1. Der Rollwiderstand von Reifen

Die Kraftstoffeffizienz wird auch Reifen-Rollwiderstand genannt und ist auf dem Label mit der Tanksäule gekennzeichnet. Der Rollwiderstand beschreibt die Energie, die aufgebracht werden muss, um den Reifen am Rollen zu halten. Wenn der Reifen sehr gut auf der Straße haftet, hat er in der Tendenz einen höheren Abrollwiderstand.

Je größer der Rollwiderstand, desto höher ist der Kraftstoffverbrauch.

Um das Label möglichst zugänglich zu gestalten ist die Kraftstoffeffizienz wie das Energielabel auf Kühlschränken oder anderen Elektrogeräten dargestellt und von A bis G abgestuft. A ist der beste Wert mit dem geringsten Kraftstoffverbrauch und von dort nimmt der Verbrauch pro Stufe um ca. 0,1 l auf 100 km zu. Die Klasse D ist übrigens nicht belegt. Zwischen der ersten und der letzten Stufe liegt also eine ungefähre Kraftstoffeinsparung von einem halben Liter pro 100 km. Der Rollwiderstand ist ein umstrittenes Thema, da ein erhöhter Widerstand zwar den Kraftstoffverbrauch steigen lässt, aber auch für mehr Grip auf der Straße sorgt.

2. Was bedeutet Nasshaftung C bei Reifen?

Der Wert ist mit der Regenwolke markiert und beschreibt den Bremsweg auf nasser Fahrbahn für eine Vollbremsung bei 80 km/h. Auch die Nasshaftung ist auf dem Label in den Stufen A bis G angegeben. D und G sind aber nicht belegt.

Je besser die Nasshaftungseigenschaften sind, desto kürzer ist der Bremsweg auf nasser Straße.

Zwischen den Stufen liegen ca. 3-4 m. Das bedeutet zwischen dem besten und dem schlechtesten Wert liegen über 18 m – das ist ein verlängerter Bremsweg von mehr als 4 Autolängen. Die Nasshaftung ist also ein absolutes Sicherheitskriterium und kann in Gefahrensituationen entscheidend sein.

Reifen mit einem sehr guten Nasshaftungs-Ergebnis haben häufig schlechtere Kraftstoffwerte, da die verbesserte Haftung den Rollwiderstand erhöht.

3. Was ist das externe Abrollgeräusch?

Das externe Abrollgeräusch beschreibt die Geräuschentwicklung des Reifens auf der Straße von außen. Gemessen wird in dB (Dezibel) und es gibt 3 Stufen, die in Form von Schallwellen dargestellt werden. Ist nur einer der Viertelkreise ausgefüllt, hat der Reifen das niedrigste Geräuschlevel, es geht dann immer in 3dB-Schritten höher.

Die Geräuschgrenzwerte sind nicht für alle Reifen gleich und die absolute dB-Zahl ist abhängig von der Reifenart und -breite.

Übrigens: Das außen wahrnehmbare Abrollgeräusch ist nicht zwingend auch die Lautstärke, die Sie im Inneren wahrnehmen. Je nach Fahrzeug und Geräuschisolierung kann die Lautstärke im Innenraum deutlich leiser sein.

EU-Reifenlabel-Test: Wer prüft die Reifen?

Die Angaben für das Reifenlabel werden von den Herstellern selbst getestet. Die Prüfverfahren sind genormt und werden mit genau geregelten Verfahren durchgeführt. Da der Hersteller seine Produkte komplett selbst klassifiziert, werden die Reifen stichprobenartig zusätzlich von unabhängigen Instituten getestet, um eventuellen Betrug auszuschließen.

Eignet sich das Reifenlabel als Kaufkriterium?

Als erste Orientierungsmöglichkeit ist das Reifenlabel für Sie als potentiellen Käufer sinnvoll. Sie können so schnell und ohne Fachkenntnisse mehrere Reifen miteinander vergleichen. Gerade die Nasshaftung ist ein wichtiges Sicherheitskriterium. Aber das Label hat Grenzen. Zum Beispiel Trockenbremseigenschaften, Seitenführung in Kurvenfahrten, oder die Schnee- und Eisfähigkeiten werden bisher gar nicht berücksichtigt. Außerdem sind die Werte teilweise nur im Labor gemessen und können sich in einer realen Fahrsituation unterscheiden. Die Kriterien sind immer auch abhängig vom Fahrzeug und dem persönlichen Fahrstil.

Das Reifenlabel sollte für Sie also nicht das einzige Kriterium für die Entscheidung sein.

Bei den saisonalen Reifentests werden ca. 15 Eigenschaften getestet – hier erhalten Sie ein ausführlicheres Bild. Zusätzlich können wir Sie auch gerne speziell zu Ihrem Fahrzeug und Ihren Fahrvorlieben beraten – melden Sie sich einfach bei uns.

Fahrzeug auf verschneiter Straße für den Reifentest

Für welche Reifen gilt das Reifenlabel?

Die Kennung betrifft folgende Bereifungs-Typen:

  • PKW (Klasse C1)
  • bestimmte Leicht-LKW (Klasse C2)
  • bestimmte LKW (Klasse C3)

Ausgenommen von der Regelung sind:

  • Runderneuerte Reifen
  • Notreifen (Typ T)
  • Gewerblich eingesetzte Geländereifen (POR)
  • Rennreifen
  • Oldtimerreifen für Fahrzeuge, die erstmals vor dem 01.10.1990 zugelassen wurden
  • Reifen, die nicht schneller als 80 km/h gefahren werden dürfen
  • Reifen unter 11 oder über 24 Zoll
  • Reifen mit Spikes (Achtung: Diese dürfen auf deutschen Straßen nicht gefahren werden)
  • Motorradreifen

Manche Reifenhersteller, zum Beispiel von runderneuerten Reifen führen trotzdem die gleichen Tests durch und veröffentlichen diese, um die Qualität der Bereifung zu unterstreichen.

Wo finde ich das Reifenlabel?

Für alle Reifen, die nach dem 30.06.2012 produziert wurden, müssen die Labeltests nachgewiesen werden können. Wenn Sie bei uns online bestellen, können Sie die Labelwerte immer direkt auf der Produktdetailseite einsehen. Bei der Lieferung sind die Reifen in der Regel mit einem Aufkleber versehen.
Wenn Sie einen Reifen ohne Aufkleber erhalten müssen Sie sich keine Sorgen machen, dass dieser schon gefahren wurde. Manchmal löst sich der Kleber schon beim Hersteller oder beim Transport ab. Der Reifen entspricht aber trotzdem den Labelwerten, die Sie online gesehen haben.

Das neue Reifenlabel

Im November 2019 hat die EU-Kommission eine Verbesserung des Reifenlabels durchgesetzt. Es soll noch eindeutiger und aussagekräftiger werden. Die Wintereigenschaften bei Schnee und Eis werden ergänzt – das ist ein sinnvoller Zusatz, denn so können Sie direkt erkennen, ob es sich um einen Winterreifen handelt. Die nicht belegten Klassen D und G rutschen auf bzw. fallen weg. Die Skala geht jetzt von A bis E und alle Klassen sind belegt. Das ist deutlich intuitiver. Die Verordnung soll am 1. Mai 2021 in Kraft treten.

Quellen

ADAC (2019): EU-Reifenlabel: Das müssen Sie wissen. URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/reifenkauf/reifenlabel/ – zuletzt geprüft 27.04.2020.

Continental (o.J.): EU-Reifenlabel. URL: https://www.continental-reifen.de/autoreifen/reifenwissen/reifenkauf/eu-reifenlabel – zuletzt geprüft 27.04.2020.

Deutscher Verkehrssicherheitsrat (o.J.): Was Sie über das EU Reifenlabel wissen müssen. URL: https://reifenqualitaet.de/umwelt/eu-reifenlabel/ – zuletzt geprüft 27.04.2020.

Neue Reifenzeitung (2019): Neues EU-Reifenlabel: Anders als gedacht und nicht völlig neu. URL: https://reifenpresse.de/2019/11/27/neues-eu-reifenlabel-anders-als-gedacht-und-nicht-voellig-neu/ – zuletzt geprüft 27.04.2020.