Lohnt sich Reifengas?

Bei jeder Tankfüllung den Reifendruck kontrollieren – haben Sie das in der Fahrschule auch gelernt? Aber es fährt eben immer genau dann jemand zur Luftsäule wenn Sie gerade fertig sind oder der Dichtungsring am Anschluss ist mal wieder so ausgelutscht, dass das Ventil nicht richtig abdichtet. Insgesamt also ein eher nerviges Unterfangen. Als praktische Lösung wird von vielen Werkstätten das Reifengas angeboten. Durch den Stickstoff soll der Reifendruck für lange Zeit konstant bleiben. Aber stimmt das und lohnt sich das teure Gas wirklich?

Reifengas: Was ist das?

Um zu beurteilen, ob Reifengas sinnvoll ist oder nicht, ist es wichtig zu wissen, aus was es besteht.

Reifengas besteht zu ca. 90 % aus Stickstoff. Der Rest ist gewöhnliche Umgebungsluft.

Ventil am Reifen

Der Vorteil ist der, dass Stickstoffmoleküle größer sind als Sauerstoffteilchen. Das bedeutet, dass sie viel schlechter durch das Gummi des Reifens nach außen diffundieren können – es entweichen also keine Moleküle und der Druck bleibt über einen langen Zeitraum konstant. Zumindest in der Theorie. Daraus ergeben sich die folgenden Vorteile:

Vermeintliche Vorzüge von Reifengas

Der konstant richtige Reifendruck sorgt für einen geringeren Verschleiß und Kraftstoffverbrauch, da weniger Gummi mit der Straße in Kontakt kommt und weniger Reibung entsteht. Das Abrollgeräusch wird so auch leiser. Außerdem ist Stickstoff nicht entzündlich – darum ist die Brandgefahr geringer.
Die genannten Punkte klingen erst einmal gut, aber was ist wirklich dran?

Was bringt Reifengas wirklich?

Wussten Sie, dass normale Luft ähnlich zusammengesetzt ist wie Reifengas? Druckluft hat natürlicherweise schon einen Stickstoffgehalt von knapp 80%. Das Reifengas ist mit um die 90% gar nicht so weit darüber.

Deswegen wurden Tests durchgeführt, die zeigen, dass der Luftverlust bei Reifen mit normaler Druckluft über mehrere Monate nur um wenige hundertstel Bar von der Reifengas-Füllung abweicht.

Die Brandgefahr ist mit dem nicht entzündlichen Stickstoff tatsächlich niedriger, für Ihr Alltagsfahrzeug ist das aber gar nicht so relevant, da die Temperaturbelastung beim normalen Fahren nicht so hoch ist. In der Luftfahrt beispielsweise werden die Reifen im Moment der Landung mit einer enorm hohen Reibung konfrontiert – der Pneu wird dadurch richtig heiß. Außerdem macht Stickstoff im Reifen bei Gefahrguttransporten oder im Motorsport Sinn. Hier hat diese Technik auch ihren Ursprung.

Geringerer Verschleiß, Kraftstoffverbrauch und Abrollgeräusche sind immer sinnvoll, aber das hat nichts direkt mit dem Reifengas zu tun sondern mit dem passenden Luftdruck.

Es ist also viel wichtiger, den Reifendruck regelmäßig zu kontrollieren – am besten alle 14 Tage. Das sollten Sie auch tun, wenn Ihre Pneus mit Reifengas gefüllt sind. Hier geht es nämlich nicht nur um den schleichenden Verlust über Zeit, sondern vor allem auch um eventuelle Verletzungen an Reifen, Ventil oder Felge, über die Ihre Bereifung schneller Luft verliert.

Übrigens: Da bei normalem Luftverlust eher der Sauerstoff als der Stickstoff durch das Reifengummi diffundiert erhöht sich der prozentuale Stickstoffgehalt in Ihrem Reifen quasi automatisch über die Zeit.

Wie viel kostet Reifengas?

Eine normale Druckluft-Füllung erhalten Sie an der Tankstelle in der Regel gratis. Eine Füllung mit Reifengas erhalten Sie im Fachhandel oder in Ihrer Kfz-Werkstatt. Tankstellen haben eher selten eine entsprechende Säule. Die Kosten für alle 4 Reifen liegen normalerweise zwischen 10 und 15 € – die Erstbefüllung ist manchmal etwas teurer.

Ist Reifengas in meinen Reifen?

Wenn Sie Ihr Auto neu gekauft haben, kann es natürlich sein, dass der Vorbesitzer mit Reifengas gefahren ist. Am Reifen an sich können Sie das nicht sehen. Aber am Ventil: Wenn der Reifen mit Stickstoff gefüllt wurde, dann wird von der Werkstatt eine grüne Ventilkappe angebracht.

Sie können dann übrigens auch problemlos wieder normale Druckluft nachfüllen – die Bestandteile sind im Grunde gleich, nur die Verhältnisse sind anders.

Gibt es Alternativen zu Reifengas?

Ein anderes Gas macht zum aktuellen Zeitpunkt wenig Sinn. Vor allem für die ursprünglichen Einsatzgebiete in Luft- und Raumfahrt, Motorsport und bei Gefahrguttransporten macht Stickstoff nach wie vor am meisten Sinn.
Für Alltagsbereifung wird aber gerade an einem neuen Konzept gearbeitet, der das eigenständige Nachfüllen der Reifen überflüssig machen soll. Die Rede ist von einem
eingebauten Kompressor, der in Kombination mit dem RDKS den Reifendruck immer passend justiert. Denkbar ist hier auch, dass zum Beispiel bei einer Vollbremsung sofort Luft abgelassen wird, um die Kontaktfläche zu erhöhen. Denkbar wäre dann auch eine Anpassung an verschiedene Witterungen und damit die Optimierung von Sicherheit, Verschleiß und Kraftstoffverbrauch.

Quellen

ADAC (2019): Stickstoff im Reifen: Lohnt sich das teure Gas? URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/stickstoff-im-reifen/ – zuletzt geprüft 13.08.2020.