RDKS – So funktionieren die Reifendruckkontrollsysteme

Die Reifen sind die einzigen Kontaktpunkte Ihres Fahrzeuges mit der Straße und die enthaltene Luft trägt Ihren kompletten PKW. Außerdem sorgt sie dafür, dass Ihre Bereifung die Form behält – nur so liegen Sie optimal auf der Straße. Das begünstigt nicht nur einen geringeren Kraftstoffverbrauch und weniger Gummi-Abrieb, sondern ist auch ein wichtiger Sicherheitsfaktor. Zu wenig Luft kann im schlimmsten Fall zu einem Reifenplatzer führen. Das RDKS leistet einen wichtigen Beitrag zu Ihrer Fahrsicherheit.

Was machen die RDKS-Sensoren?

RDKS bedeutet ausgeschrieben Reifendruckkontrollsystem. Man unterscheidet zwischen direktem und indirektem RDKS – im Großen und ganzen haben aber beide Versionen den gleichen Zweck.

Es handelt sich um eine elektronische Überwachungseinheit für den passenden Reifendruck, die Ihnen eine Rückmeldung gibt, wenn Ihr Luftdruck zu niedrig sinkt.

RDKS Warnleuchte

Das ist das Symbol der Reifendruck-Warnleuchte

Das funktioniert über eine Warnleuchte oder den Bordcomputer. Das stellen die RDKS-Sensoren fest:

  • Druckverlust innerhalb von 10 min um 20% unter dem Normalwert bei einem Einzelreifen.
  • Plötzlicher oder schleichender Druckverlust bei allen Reifen.

Die Messung muss laut EU-Verordnung zwischen 40 km/h und der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges funktionieren. Je nach Art des Reifendruckkontrollsystems messen die RDKS-Sensoren sogar im Stand.

Übrigens: Neben dem Begriff RDKS stoßen Sie vielleicht auch auf die Abkürzung „TPMS“ – das ist die englische Variante und bedeutet „Tyre Pressure Monitoring System“. Beide Kürzel meinen aber die gleiche Elektronik.

Was ist ein indirektes RDKS?

Das indirekte System wird auch passives RDKS genannt. Hier werden keine eigenen Sensoren im Fahrzeug verbaut, sondern das System läuft über die vorhandenen Sensoren. Sobald sich der Reifendruck verringert, sinkt der Abrollumfang und die Drehzahl erhöht sich im Vergleich zu den anderen Reifen. Diese Differenz nehmen die Sensoren wahr.
Eine alternative Variante des indirekten RDKS ist die
Radfrequenz. Über die Schwingungen des Reifens auf der Felge kann der Luftdruck bestimmt werden. Die Messung erfolgt an jedem Rad einzeln und es gibt keinen Vergleich mit den anderen Reifen.

Vorteile des indirekten RDKS

  • Beim Radwechsel müssen keine Sensoren ausgetauscht werden.
  • Der Messaufwand ist geringer.
  • Es entstehen keine Mehrkosten durch den Einsatz.

Allerdings ist der Luftverlust hier nur während der Fahrt feststellbar und es gibt keine gesonderte Info, welcher der Reifen betroffen ist – das heißt, alle Räder müssen kontrolliert werden.

So funktioniert das direkte RDKS

Vorteile des direkten RDKS

Beim direkten RDKS, auch aktiv genannt, werden spezielle RDKS-Sensoren verbaut, die permanent die exakten Füllstände abfragen. Diese sitzen in der Regel direkt am Ventil und Sie können die bar-Zahlen der einzelnen Reifen jeder Zeit am Bordcomputer ablesen.

  • Die Luftdruckmessung erfolgt an jedem Rad einzeln und durch die direkte Bestimmung ist das Ergebnis sehr genau.
  • Die Messung ist auch im Stand möglich, das erhöht die Sicherheit.
  • Sie erhalten die Info, welcher der Reifen betroffen ist und können auch die anderen Drücke jederzeit abrufen.

Die genauere Messtechnik hat allerdings auch Ihren Preis. Ein selbstständiger Reifenwechsel ist ohne Werkstatt kaum möglich, weil die Sensoren umgebaut werden müssen und die Elektronik immer auf die neuen Reifen kallibriert wird. Die direkten RDKS-Sensoren müssen zugekauft und regelmäßig ausgetauscht werden. Wenn Sie bei einer Reifenpanne das Pannenkit verwenden müssen, kommt das RDKS mit dem Dichtmittel in Kontakt, das über das Ventil eingespritzt wird. In diesem Fall muss die Sensorik ebenfalls ausgetauscht werden.

Egal welches Reifendruckkontrollsystem Sie verbaut haben – Sie sollten dennoch regelmäßig manuell Ihren Reifendruck prüfen und dann bei Bedarf auffüllen.

Sind RDKS-Sensoren Pflicht?

Nicht jedes Fahrzeug muss mit einem RDKS ausgestattet sein, aber es gibt gesetzliche Vorschriften für jüngere PKW. Alle neu typengenehmigten Fahrzeuge der Klasse M1 und M1G müssen seit dem 01.11.2012 mit einem Reifendruckkontrollsystem ausgestattet sein. Die Klasse M1 beinhaltet PKW und Wohnmobile mit bis zu 9 Sitzplätzen, M1G entspricht geländegängigen Fahrzeugen zur Personenbeförderung.
Zwei Jahre später kam die Regelung hinzu, dass ab dem 01.11.2014 in jedem Neufahrzeug der Klassen M1 und M1G ein RDKS vorhanden sein muss. Das heißt neuere Fahrzeuge sind in der Regel
direkt ab Werk mit einem Reifendruckkontrollsystem ausgestattet.

RDKS nachrüsten

Theoretisch können Sie ein Fahrzeug, für das keine RDKS-Pflicht besteht, dennoch nachträglich mit einer Druckkontrolle ausstatten.

Wenn Sie sich als Autofahrer zusätzliche Sicherheit wünschen, kann ein RDKS in einem älteren Auto eine gute Idee sein.

Normalerweise werden direkte Reifendruckkontrollsysteme nachgerüstet, da hier nicht in die bereits bestehende Messelektronik eingegriffen werden muss. Die Sensoren werden an den Rädern angebracht und Ihre Kfz-Experten bauen eine zusätzliche Kontrolleinheit ein. Dann wird das RDKS mit der Bordelektronik gekoppelt, damit Sie die Warnung angezeigt bekommen können. Am Ende funktioniert der nachträgliche Einbau wie jedes aktive RDKS.

Das müssen Sie über den Reifenwechsel mit RDKS wissen

Es gibt keine speziellen RDKS-Reifen.

Wenn Sie neue Reifen für Ihr Fahrzeug kaufen, müssen Sie erst einmal nichts Besonderes beachten.
Für die Montage macht es aber einen Unterschied, ob eine Luftdruck-Prüfsensorik verbaut ist oder nicht. Wenn ein neuer Reifen auf eine Felge kommt, müssen die
RDKS-Sensoren für die direkte Messtechnik mit eingebaut werden. Theoretisch ist es möglich, die Sensoren aus den alten Felgen auszubauen und in das neue Rad einzusetzen. Hier zahlen Sie aber dennoch einen zusätzlichen Betrag für ein sogenanntes Service-Kit, mit speziellen Dichtungen für das System. Viele PKW-Besitzer lassen sich deswegen einfach direkt neue RDKS-Sensoren einbauen.

Bei indirekten Systemen fällt das Einsetzen der Sensoren weg, da dieses die bereits vorhandene Sensorik mitverwendet.

Die Vorteile des RDKS auf einen Blick

Ein zu geringer Reifendruck sorgt dafür, dass die Reifenflanken einfallen und die Auflagefläche auf der Straße größer wird. Das hat mehrere Effekte. Mehr Gummi hat Kontakt mit der Straße, das sorgt für mehr Material-Abrieb und Sie müssen sich schneller wieder neue Reifen kaufen. Außerdem steigt durch die höhere Haftung auch der Kraftstoffverbrauch. Die Haftung sorgt zusätzlich für eine höhere Temperatur – der Reifen kann über 100 °C heiß werden. Die schlaffen Flanken werden deutlich mehr gewalkt und durch die Hitze kann es zu Verletzungen, im schlimmsten Fall sogar zu einem Reifenplatzer kommen.

Luftverlust am Reifen: daher kommt er

Ein schleichender Luftverlust ist ganz normal, weil permanent geringe Mengen an Luft durch das Gummi nach außen diffundieren. Darüber müssen Sie sich keine Gedanken machen. Blöd wird es nur dann, wenn ein Reifen deutlich mehr Luft verliert. Dann liegt die Vermutung nahe, dass etwas nicht stimmt. Mögliche Gründe für einen schnellen Luftverlust sind:

  • Eingefahrene Gegenstände. Das können zum Beispiel Nägel, Schrauben oder Metallrückstände sein. Meistens wird das Loch durch den Gegenstand ein wenig verschlossen, der Druckabfall ist aber dennoch deutlich schneller als gewöhnlich. Meist hören Sie einen eingefahrenen Nagel auch durch ein konstantes Klackern, welches bei Erhöhung der Geschwindigkeit auch schneller wird.
  • Poröses Material. Mit zunehmendem Alter und je nach Lagerung wird Gummi poröser. Vor allem wenn das Fahrzeug selten bewegt wird und bestimmte Teile des Reifens immer in der Sonne stehen. Die Luft kann hier durch die kleinen Undichtigkeiten schneller entweichen.
  • Verletzungen des Gummis. Durch einen kleinen Einschnitt oder einen Karkassenbruch kann Luft entweichen, auch wenn man die Verletzung auf den ersten Blick gar nicht unbedingt sieht.
  • Rost an der Felge oder am Ventil. Sitzt die Korrosion direkt dort, wo die Felge mit dem Reifen abschließt (am Felgenhorn), ist die Stelle nicht mehr richtig dicht und Luft kann permanent ausströmen. Das gleiche gilt für ein beschädigtes Ventil.

Wenn Ihr RDKS Ihnen die Meldung gibt, dass etwas mit dem Luftdruck nicht stimmt, fahren Sie nicht einfach weiter. Kontrollieren Sie die Reifen auf oben genannte Möglichkeiten und suchen Sie eine Kfz-Werkstatt auf.

Quellen

Auto, Motor, Sport (2014): Alle Infos zu den Kontrollsystemen. URL: https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/reifendrucksensoren-ab-november-2014-fuer-neuwagen-pflicht/ – zuletzt geprüft 03.08.2020.

BRV (o.J.): Und mein Auto? URL: https://www.bundesverband-reifenhandel.de/themen/rdks/und-mein-auto/ – zuletzt geprüft 03.08.2020.