Radwechsel – der große Ratgeber

Sie wollen Ihren Radwechsel selbst vornehmen? Dann folgen Sie einfach unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Wenn Sie Ihre Räder in der Werkstatt wechseln lassen wollen sind Sie hier genauso richtig. Holen Sie sich hier alle Infos rund um das Thema saisonale Bereifung und Radwechsel und finden Sie direkt Ihre passende Bereifung.

Gibt es einen Unterschied zwischen Reifen- und Radwechsel?

Kurz gesagt: ja. Oft verschwimmen hier aber die Grenzen und die Begriffe werden gleichbedeutend verwendet. Das bedeuten die Begriffe wirklich: Der Reifenwechsel beschreibt eigentlich das Ab- und Aufziehen eines Reifens auf die Felge. Der Radwechsel dagegen ist das Umstecken eines Komplettrades (Reifen + Felge), also zum Beispiel der Wechsel von Sommer- auf Winterreifen, die aber schon auf Felgen sind.

Kann ich den Radwechsel selbst machen?

Grundsätzlich können Sie einen Radwechsel selbst machen aber nur, wenn Sie es sich wirklich zutrauen. Es ist immer sinnvoll, wenn Sie den ersten Wechsel im Beisein einer erfahrenen Person durchführen. Außerdem benötigen Sie ein bisschen Werkzeug:

  • Einen Wagenheber (dieser ist oft schon im Kofferraum des Fahrzeuges unter der Abdeckung vorhanden)
  • Ein Radkreuz zum Lösen und ersten Anziehen der Muttern
  • Einen Drehmomentschlüssel, damit die Räder am Ende exakt angezogen sind
  • Eine Schüssel oder einen Karton, in dem Sie die Schrauben ablegen können – so rollt nichts weg
  • Eine Wachskreide , um die alte Position auf den demontierten Reifen zu markieren
  • Ggf. eine Drahtbürste um die Radnabe oder die Bremsklötze bei Bedarf zu säubern
  • Einen Lappen für Schmutz
  • Bei Bedarf Handschuhe, da ein Reifenwechsel eher eine dreckige Angelegenheit ist
  • Eventuell bietet sich auch ein Knieschutz an

Darauf muss ich achten, bevor es los geht

Bevor Sie mit dem Radwechsel beginnen: Legen Sie sich das Werkzeug und die neuen Reifen bereit – so müssen Sie während des Wechsels nicht nochmal unterbrechen.
Falls Sie sich neue Felgen zugelegt haben und eventuell sogar von
Stahl- auf Leichtmetallfelgen wechseln, benötigen Sie in der Regel andere Radschrauben und -muttern.
Außerdem sind die neuen Räder natürlich wichtig. Wenn Sie neue Reifen benötigen, bestellen Sie
rechtzeitig. Innerhalb der Wechsel-Saison kann es immer mal passieren, dass sich die Zustellung durch das hohe Paketaufkommen beim Zulieferer verzögert, auch wenn die Profile direkt in den Versand gegeben wurden. Planen Sie also ausreichend Zeit ein.
Wenn Sie die eingelagerten Räder vom letzten Jahr wieder verwenden möchten, schauen Sie sich vorher an, ob die Profile noch eine
ausreichende Tiefe haben und das Gummi völlig intakt ist. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 mm, wir empfehlen Ihnen aus Sicherheitsgründen aber immer mindestens 3 mm für Sommer- und 4 mm für Winterreifen.

Rotes Fahrzeug bereit zum Radwechsel

So funktioniert der Räderwechsel

Der Radwechsel ist kein "Hexenwerk" – dennoch sollte nichts schief gehen, da die Reifen ein wichtiges Sicherheitselement für Ihr Fahrzeug darstellen. Unser Tipp: Schauen Sie sich vorher die Sicherheitshinweise in der Bedienungsanleitung an. Dann kann es mit dem Räderwechsel los gehen. Hier haben wir unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung für Sie:

  1. Damit Sie sicher arbeiten können, stellen Sie Ihr Fahrzeug auf einer geraden Fläche ab, legen Sie den ersten Gang ein und ziehen Sie die Handbremse an. Bei einer Automatik-Schaltung stellen Sie den Hebel auf „P“. Ihr Standplatz sollte nicht direkt an der Straße sein, damit Sie sich problemlos um das Fahrzeug herum bewegen können.
  2. Auf Stahlfelgen sind oft Radkappen. Entfernen Sie diese – so kommen Sie an die Radmuttern. Lösen Sie die Schrauben leicht. Verwenden Sie dabei auf jeden Fall das Radkreuz und nicht den Drehmomentschlüssel! Eine viertel Umdrehung ist erst mal genug.
  3. Als nächstes kommt der Wagenheber ins Spiel. Suchen Sie die verstärkte Stelle am unteren Rahmen des Fahrzeuges, setzen Sie den Wagenheber dort an und pumpen oder kurblen Sie so lange, bis der Reifen nicht mehr den Boden berührt.
  4. Jetzt geht es an den eigentlichen Radwechsel. Entfernen Sie die Radmuttern nun komplett. Drücken Sie dabei gegen die Felge, damit der Reifen bei der letzten Schraube nicht einfach abfällt. Dann können Sie den Reifen kontrolliert abheben. Kennzeichnen Sie außerdem gleich, wo der Reifen montiert war. Schreiben Sie mit der Wachskreide auf die Innenseite der Reifen z.B. ein „VL“ für „vorne links“ oder ein „HR“ für „hinten rechts“. So können Sie in der nächsten Saison sinnvoll tauschen, damit sich die Profile möglichst gleichmäßig abnutzen.
  5. Nun haben Sie die Möglichkeit, die Bremsscheiben genauer anzuschauen. Sieht etwas ungewöhnlich aus? Tiefe Rillen zum Beispiel deuten auf starken Verschleiß hin und die Scheiben sollten ausgetauscht werden.
  6. Die neuen Räder sind an der Reihe. Wenn Sie die Kompletträder aus dem Vorjahr wieder montieren, achten Sie auf die Position. Die Reifen, die hinten montiert waren sollten nach vorne und umgekehrt. Das geht natürlich nur, wenn Sie hinten und vorne die gleiche Größe montiert haben. Setzen Sie das Rad an und ziehen Sie die Schrauben nur handfest mit dem Radkreuz an.
  7. Jetzt können Sie das Fahrzeug wieder auf den Reifen stellen und die Radmuttern komplett anziehen. Gehen Sie dabei überkreuz vor und verwenden Sie den Drehmomentschlüssel. Das passende Drehmoment für Ihr Fahrzeug finden Sie in den Herstellerangaben.
  8. Wenn alle Reifen montiert sind, sollten Sie direkt den Reifendruck prüfen und bei Bedarf nachfüllen – nur so sind Sie sicher unterwegs.
  9. Prüfen Sie jetzt bei den demontierten Reifen die Profiltiefe und den Zustand. Wenn es sich lohnt die Reifen für die nächste Saison noch einmal einzulagern, sollten Sie die Räder vorher gut reinigen und trocknen lassen. Für Reifen mit Felgen ist eine Lagerung hängend and der Wand oder horizontal auf einem Reifenbaum am schonendsten. Außerdem sollte der Raum trocken, dunkel und kühl sein und das Gummi sollte nicht mit Reinigungsmitteln, Öl oder Alkohol in Berührung kommen.

Das sollten Sie beim Räder wechseln im Blick behalten

Falls Sie feststellen, dass sich eine Schraube bei der Montage schwer eindrehen lässt, hören Sie sofort auf! Schauen Sie sich die Schraube und das Gewinde genau an. Eventuell ist die Schraube beschädigt oder es befindet sich Rost oder Schmutz im Gewinde. Sie können ganz sanft versuchen, die Verunreinigung mit der Drahtbürste zu entfernen. Wenn das nicht funktioniert besuchen Sie auf alle Fälle eine Kfz-Werkstatt.
Wenn Sie Ihren Räderwechsel gemacht haben, denken Sie daran, den Drehmomentschlüssel wieder zu
entspannen. Sonst verliert die Feder im Laufe der Zeit an Spannkraft und der Schlüssel arbeitet nicht mehr genau.
Nach ca.
50 gefahrenen Kilometern sollten Sie die Schrauben ich einmal prüfen und gegebenenfalls mit dem richtigen Drehmoment nachziehen.

Komische Geräusche nach dem Radwechsel?

Es kann durchaus vorkommen, dass Sie nach dem Räderwechsel von den Fahrgeräuschen etwas irritiert sind. Winterreifen haben eine andere Profilstrucktur und hören sich deswegen auch etwas anders an. Es gibt aber Warnsignale, die Sie ernst nehmen sollten. Dazu gehören:

  • Ungewöhnliche Lenkradvibrationen
  • Klappern
  • Klopfen
  • Schleifgeräusche

Häufige Ursachen sind gelockerte Schrauben oder Rost an der Radnabe. Sie sollten auf jeden Fall nicht weiter fahren und die Geräusche schnellstmöglich in der Werkstatt überprüfen lassen.

Was kostet ein Radwechsel?

Sie können den Radwechsel auf in der Werkstatt vornehmen lassen. Wenn Sie sich nicht selbst daran wagen wollen, oder einfach nicht die nötige Zeit, dafür aber das nötige Geld haben, dann ist der Radwechsel in der Werkstatt eine gute Alternative. Außerdem können Sie Ihre Reifen dann auch direkt dort einlagern lassen. Aber was kostet so ein Radwechsel? Die Preise schwanken je nach Werkstatt etwas und belaufen sich auf ca. 10 - 30 € pro Reifen. Normalerweise ist das Reifen Auswuchten mit inbegriffen – wenn Sie sicher gehen wollen, können Sie auch vorab noch einmal nachfragen.
Denken Sie daran, den Termin frühzeitig zu vereinbaren, denn zu den Wechselzeiten um Ostern herum und im Oktober/November sind die Werkstätten besonders stark mit Reifenwechseln ausgelastet.

Wann sollte ich meine Räder wechseln?

In Deutschland gibt es die situative Winterreifenpflicht. Das das heißt für Sie konkret folgendes: Sobald die Straßen glatt werden, oder Schnee liegt, müssen Sie Winterreifen mit Alpine-Kennung fahren. Von Winter- auf Sommerreifen gibt es keine konkrete Regelung – wir empfehlen Ihnen trotzdem entschieden, nicht das ganze Jahr auf Winterreifen zu fahren. Diese nutzen sich bei höheren Temperaturen viel schneller ab und bieten keinen ausreichenden Grip mehr. Die Merkregel lautet: „Von O bis O“, was so viel bedeutet wie: „Von Oktober bis Ostern Winterreifen fahren“. Das ist aber nur eine grobe Orientierung – beobachten Sie auf jeden Fall immer das Wetter und rüsten Sie rechtzeitig um.
Eine Alternative zum Radwechsel ist die Montage von
Ganzjahresreifen. Diese bieten sich vor allem an, wenn Sie eher im Stadtverkehr und auf kürzeren Strecken unterwegs sind und in einer milden Region wohnen.

Quellen

ADAC (2021): Reifen oder Räder selbst wechseln: Infos, Anleitung, Tipps. URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/reifen-wechseln/ – zuletzt geprüft 17.08.2021.

AutoBild (2020): So klappt der Reifenwechsel auch zu Hause. URL: https://www.autobild.de/artikel/reifenwechsel-2288727.html – zuletzt geprüft 18.08.2021.